Markt – Einkaufserlebnis für die Sinne

Markt ist ein lebendiges Erlebnis. Deutschland kann Weihnachtsmarkt. Dafür sind wir über unsere Grenzen hinaus bekannt. Aber Wochenmarkt?

Ich bedaure sehr, dass wir Deutschen inzwischen eine besondere Affinität zu Supermärkten entwickelt haben. Die “Geiz ist geil”-Mentalität macht uns glauben, Markt sei viel zu teuer. Und außerdem unbequem. Kein Parkplatz vor der Tür, kein Einkaufswagen. Ach, und aus frischen Zutaten eine Mahlzeit selbst zu kochen, dazu fehlt sowieso die Zeit. So viel Gutes geht verloren, weil wir uns nicht mehr die Mühe machen wollen. “Convenience-Ware” bestimmt unsere Nahrungskette.

Markt in Spanien

Die mediterranen Länder zeigen uns noch, wie es geht. Wir haben es in Frankreich, in der Provence, genossen und hier in Katalonien ist es genauso schön zu erleben. Natürlich sind auch hier die namhaften Supermarktketten vertreten,  es gibt ja nicht alles auf dem Markt. Aber es fällt schon auf, dass beispielsweise die Obst- und Gemüseabteilungen ein vergleichsweise kleines Sortiment führen.

Markthalle in Palamòs
Markthalle in Palamòs

An jedem Tag ist in einer anderen Stadt, einem anderen Dorf Markt. Oder die Markthalle ist täglich geöffnet, immer mit ein paar zusätzlichen Ständen vor dem Eingang. Und nicht nur Großmarktware, auch Produkte aus den eigenen Gärten oder Betrieben werden hier angeboten. Da wird der eigene Wein schon mal in einer umgenutzten PET-Flasche verkauft. Regional, wie wir es mögen. Bei uns zuhause “Trend”, hier alltäglich.

Markt - Fischtheke
Fischtheke

Es ist herrlich, durch die überschaubaren Markthallen zu streunen. Hier wird die Entdeckermentalität neu geweckt. Die Fischstände mag ich am liebsten. Hier ist nicht Käpt’n Iglu zuhause, sondern alles mögliche Meeresgetier aus dem Mittelmeer, fangfrisch. Na ja, etwas auf die Schilder sollte man schon achten, einige Fischarten kommen auch hier aus Aquakultur. Aber einen vor den eigenen Augen vom Verkäufer ausgenommenen “Llobarro” (Wolfsbarsch), oder Kalamari, dazu mit Olivenöl bestrichene und leicht gesalzene Auberginenscheiben auf den Grill – “Olé”!

Zum Essen gibt es aber einen eigenen Artikel. Da berichte ich darüber, was wir so unterschiedliche Einkaufen und wie ein Schlemmertag daraus wird.

Wenn man sich dran gewöhnt hat, dass hier fast alles nach Gewicht bezahlt wird, wird die Freude am Einkaufen sogar noch etwas größer: wir haben aktuell (April 2017) das Kilo Avocado für ca. 3 Euro, das Kilo Orangen (Bioqualität) für 80 Eurocent gefunden. Natürlich, hier wachsen die für uns exotischen Früchte praktisch im Garten, aber deshalb sind wir ja auch soweit gefahren. Um im Urlaub das hier alltägliche zu genießen.

Markt in Palamòs
Markt in Palamòs – Katalonien

Auch ohne weitreichende Sprachkenntnisse geht das Einkaufen so einfach wie zuhause. Die Menschen hier sind Touristen gewöhnt. Sie sind sehr freundlich, bemühen sich, ihre Ware verständlich zu erklären und es entwickeln sich immer wieder lustige Situationen, zum Beispiel, wenn wir den Verkäufer an seinem Stand fragen, wie man den zu dieser Jahreszeit angebotenen wilden Spargel zubereitet.  Er versucht es mit “agua” und “blubb blubb” und es erscheint überhaupt nicht lächerlich. Wir lachen alle, zum Schluss bekommen wir sogar noch eine Knolle Knoblauch geschenkt.

Markt in den USA ist “Famers Market”

Dieses Prinzip, einheimische Märkte zu erleben, funktioniert auch immer öfter in den USA.  Danach schauen wir in den regionalen Medien. Auch das “schwarze Brett” im Supermarkt oder die Touristinformation bietet immer wieder Hinweise, wo Märkte stattfinden. Selbst in Alaska (in Fairbanks) konnten wir einen Farmers Market ausfindig machen.
Der Trend ist noch schwach ausgeprägt, aber den “Farmers Market” gibt es immer öfter. Meistens klein und überschaubar, mehr oder weniger mit Veranstaltungscharakter, aber immer mit regionalen Produkten. In landwirtschaftlich geprägten Gegenden stehen sie in Konkurrenz zu den Farmstands, den kleinen Ständen an der Straße, wo die frische Ware angeboten wird.
Es ist auch immer wieder nett, mit den Verkäufern ins Gespräch zu kommen. In Cheboygan, Michigan, unterhalten wir uns mit einem Verkäufer an einem Stand über den Ahornsirup, den er dort anbietet. Wir kaufen schließlich eine große Flasche und auch etwas Obst für die Fahrt. Die Kinder bekommen zum Schluss eine Schale Kirschen geschenkt. In Montour, New York, treffen wir auf einen amerikanischen Bäcker, der deutsch spricht und Brot nach deutschem Stil anbietet.

Farmers Market in Franklin, New York
Farmers Market in Franklin, New York

Letztendlich ist es immer wieder spannend, auf solche Märkte zu gehen, regionale Produkte zu entdecken und sich mit den Leuten zu unterhalten. Wir erfahren auf diese Weise viel mehr über das Land, in dem wir gerade unterwegs sind.
Und der Einkauf, ein klein bisschen mehr Zeit und Mühe für das Kochen erspart viel Geld für einen Restaurantbesuch.

Farmers Market in Hayward, Wisconsin
Farmers Market in Hayward, Wisconsin

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