Merkel 4 lease – Satire auf Reisen

Schonungsloser Enthüllungsjournalismus!

Interstate Highway 20 - Exit to Merkel
Interstate Highway 20 – Exit to Merkel

Auf dem Weg von El Paso nach Dallas fährt man nichts ahnend auf der Interstate 20 und wird plötzlich durch ein Hinweisschild überrascht: “Merkel”. Was steckt dahinter? Ich bin der Sache nachgegangen und traf auf erschütternde Schicksale. Hier ihre Geschichte:

Desert Spring war ehemals ein kleines, friedliches Dorf mit nicht mehr als 487 texanischen Einwohnern, 1263 Gewehren und Pistolen, 645 Pferden, 4598 Stück Vieh, ein paar Hunden, Katzen und Klapperschlangen. Das Restaurant “Steak Cutter” gehörte einer der alteingesessenen Familien des Dorfes und war sehr bekannt, vor allem, nach dem die Interstate gebaut war und “Desert Spring” auch eine Abfahrt mit “frontage Road” erhielt, die Parallelstraße zur Autobahn, an der sich die Geschäfte ansiedeln, um Reisenden das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Wir schreiben das Jahr 1989. Im Osten Deutschlands packt eine Frau ihre Koffer mit den nötigsten Habseligkeiten. Gerade noch hört sie in den Nachrichten, dass Günter Schabowski die sofortige Reisefreiheit für die Bürger der DDR verkündet. Umgehend ändert sie ihre Pläne und anstatt Richtung Ungarn geht es nun nach Ostberlin. Noch weiß sie nicht, dass ihr der Alu-Fleischklopfer, “Made in Solingen”, Westgeschenk einer entfernten Verwandten, schon bald gute Dienste leisten wird.

An der Grenzkontrollstation drängen die Massen. Es gibt kein Durchkommen. Also wird der Fleischklopfer zum Tatwerkzeug für das Loch in den Westen. Die Reise endet im texanischen “Desert Spring”.

Ein Restaurant für Merkel

Das nette Restaurant gefällt ihr. Bei Ebay versteigert sie ihre Ostmark und pachtet das “Steak Cutter”, denn der 71-jährige Besitzer John “Coyote” Hunter will gern in den wohlverdienten Ruhestand wechseln. Der Fleischklopfer bekommt im neu eingerichteten “Mörkel-Mjusium” einen halogenbestrahlten Ehrenplatz. Und das ehemals so verschlafene Nest Desert Spring wird vom Bürgermeister flugs in “Merkel” umbenannt. Er setzt große Hoffnungen in den Aufschwung. Er träumt von “blühenden Landschaften” rund um Merkel, ehemals Desert Spring.

Texas - Merkel Restaurant an der Frontage Road
Texas – Merkel Restaurant an der Frontage Road

Doch es geht nicht lange gut. Amerikaner lassen sich nicht für Quarkkeulchen und Leipziger Allerlei begeistern und der 84er verdiente Wein des Volkes versauert. Der Ausflug in die freie Marktwirtschaft endet im Fiasko. Restaurant zu, ein Rentnerehepaar ohne Rente und Schulden bis zum Hals.
Also ab dafür zurück in die Heimat. Dort ist der Kapitalismus fest in staatlicher Hand. Das ist sicherer, denkt sie sich, wird Kanzlerin und kauft nun insolvente Banken, marode Autohersteller und was es sonst noch so auf dem Markt gibt. “Ja, wir schaffen das!”, ruft sie frohgemut und blickt mit einem bekräftigenden Nicken in die Runde ihrer Minister.

Die Fortsetzung schreibt die Geschichte.

 

Diesen satirischen Artikel habe ich am 05. September 2009 zum ersten Mal veröffentlicht. Er verarbeitet ein Reiseerlebnis und damaliges Zeitgeschehen, das, wie ich glaube, an Aktualität kaum verloren hat.

Hier erscheint der Artikel in leicht überarbeiteter Form.

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