Wall Drug – eine amerikanische Geschichte

Wir wundern uns. Kaum überqueren wir die Landesgrenze von Iowa nach South Dakota, da stehen an der Interstate die ersten Werbeschilder “Wall Drug”. So richtig anfangen können wir damit noch nichts. Später informiere ich mich im Internet und so kommt es, dass auch wir auf dem Weg in den Badlands National Park im “Wall Drug Store” einen Halt einlegen. Man muss dem ganzen Brimborium nichts abgewinnen. Es ist auch nicht einer der “unbedingt-sehen-müssen”-Attraktionen. Aus der ehemaligen Apotheke ist ein riesiger (wirklich riesiger), betriebsamer und unübersichtlicher Touristentreffpunkt geworden. Das einzig kostenlose ist weiterhin das Eiswasser, dazu später mehr. Ansonsten sollen die Leute hier natürlich einen Teil ihres Geld lassen. Und in den benachbarten Geschäften auch. Da es schon kurz vor mittag ist, gehen wir ins Wall Drug Café und nehmen die neben aller Betriebsamkeit urige Atmosphäre mit. Das Angebot umfasst das typisch amerikanische “junk food”, also nichts besonderes. Burger und Hotdogs, French Fries, aber o.k.

South Dakota - Wall Drug Café am Eingang zum Badlands National Park
South Dakota – Wall Drug Café am Eingang zum Badlands National Park

Die Geschichte um den Wall Drug Store, dessen Werbetafeln man schon hunderte von Meilen vorher am Highway sieht, ist ein faszinierendes Zeugnis einer amerikanischenGeschichte, die das Leben schreibt. “Typisch”, möchte man sagen. Wer sie im Original nachlesen möchte, kann es hier tun.

Wall Drug Store – am Ende der Start in die Zukunft

Wir schreiben das Jahr 1931. Die “Große Depression” führt zur Verarmung der Bevölkerung.
In Canova, einem kleinen Nest im Osten von South Dakota, arbeitet Ted Hustead seit zwei Jahren als Drogist. Sein Traum ist die Selbstständigkeit. Also macht er sich auf die Suche nach einem geeigneten Geschäft, dass zum Verkauf steht.
Er knüpft Bedingungen an den Standort: es soll eine Kleinstadt sein und sie soll eine katholische Kirche haben, damit die Familie jeden Tag zur Messe gehen kann.

In Wall steht eine Drogerie zum Verkauf. Die Kirche ist nur einen Block entfernt. Die Menschen, die hier leben, sind sympathisch. Trotz aller Warnungen, dass auch Wall “ein Ort im Nirgendwo” ist, zieht die Familie um und eröffnet die Drogerie.

Doch das Geschäft läuft schlecht. Die amerikanische Wirtschaft liegt am Boden. Ted Hustead setzt sich ein Ziel. In 5 Jahren soll die Drogerie soviel Gewinn abwerfen, dass die Familie gut davon leben kann. Sonst würden sie verkaufen.
Und dann verrinnt die Zeit ohne wesentliche Veränderung. Es bleiben nur noch wenige Monate bis zum Ablauf der 5 Jahre.

Verkehrslärm bringt die Wende

Ted´s Frau Dorothy wird eines warmen Sommertages während der Mittagsruhe vom Verkehrslärm gestört. Das bringt sie auf eine Idee. Sie entwirft ein paar Werbeslogans und schlägt ihrem Mann vor, entlang der Highways Schilder aufzustellen, die den durstigen Reisenden, die in die Black Hills wollen, kostenloses Eiswasser anbieten. Ihr Mann hat Zweifel, aber er nimmt die Idee seiner Frau auf und stellt an einem Wochenende Schilder auf.
Ein voller Erfolg. Es dauerte nur Stunden, bis die ersten Touristen nach Wall kamen, um sich am kostenlosen Eiswasser zu erfrischen.

Wall Drug Store - South Dakota, der Drogerieshop an der Interstate 90
Wall – South Dakota, der Drogerieshop an der Interstate 90

Seit dem hat Wall Drug sein Gesicht verändert. Es hat mit Eiswasser angefangen und ist nun wirklich groß geworden. Noch immer kommen die Touristen. Sie kaufen Souvenirs, T-Shirts und Postkarten. Und halten ein kleines, abseits gelegenes Städtchen, an dem man heute auf der Interstate klimatisiert vorbei rauschen kann, am Leben.

Wall, South Dakota - Post Office
Wall Post Office

“Egal, wo du lebst, du kannst Erfolg haben, denn wo auch immer du bist, kannst du andere Menschen mit Dingen erreichen, die sie brauchen!”

Ted Hustead, Gründer des Wall Drug Store

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