Wisconsin – ein bisschen Schweden am Lake Superior

Wir erkunden Wisconsin

Mit Wisconsin haben wir bereits Berührungspunkte auf unseren vorherigen Touren. Das erste Mal sind wir nur für ein paar Stunden zu Besuch im im Pleasant Prairie Outlet in Kenosha, dass etwa eine 3/4 Stunde von Chicago entfernt ist. Das zweite Mal fahren wir den Mississippi entlang nach Norden und übernachten in Onalaska.
Jetzt soll es also eine Woche sein. Wir finden ein Haus in Drummond, recht einsam gelegen, aber mit Boot zum Fischen in relativer Nähe. Das unsere Pläne bei diesem Aufenthalt nicht ganz aufgehen, habe ich bereits berichtet. Zunächst schlagen wir noch, aus South Dakota kommend, einen großen Bogen und fahren hoch in den Norden von Minnesota bis nach International Falls an die kanadische Grenze. Denn nicht nur alle 50 Staaten, sondern auch die National Parks wollen besucht und im National Park Passport durch Stempel registriert werden. Hier oben in einer großartigen Seenlandschaft liegt der Voyageurs National Park.

Minnesota - Voyageurs National Park am Kabetogama Lake
Minnesota – Voyageurs National Park am Kabetogama Lake

Nach der Übernachtung in International Falls fahren wir bereits Richtung Südosten, um eines der Visitor Center aufzusuchen. Eigentlich kann man den Nationalpark nur während einer Bootsfahrt richtig erkunden. Dazu fehlt uns allerdings die Zeit, denn es liegen noch rund 240 Meilen vor uns, ohne ein einziges Stück Interstate.
Wir biegen von der US 53 auf den Ash River Trail ab und fahren zum Ash River Visitor Center. Es ist eine hübsche, umgestaltete Blockhütte, die ehemalige Meadwood Lodge. Auf einer Halbinsel am Wasser lösen wir mit den Kindern die Aufgaben im Junior Ranger Program und verdienen uns die Badges.

Auf dem Weg nach Wisconsin fahren wir meilenlang durch Wälder und uns begegnen Kohorten von Pickups mit ihrem Bootsanhänger dahinter. Schon klar, was hier los ist. Angeln und jagen.

Duluth - der erste Blick auf den Lake Superior auf dem US Highway 53
Duluth – der erste Blick auf den Lake Superior

In Duluth kommen wir zum ersten Mal an den Lake Superior. Für mich ist es der schönste der Großen Seen. Wir kreuzen hier die Interstate 35. Rein theoretisch könnten wir hier abbiegen und knapp über tausend Meilen südwärts unsere Freunde in Dallas besuchen. Aber wir wollen ja nach Wisconsin, das nun unmittelbar vor uns liegt.

Wisconsin – am Lake Superior

Unser Haus liegt mitten im Grünen. Abseits der Highways entlang scheinbar einsamer Schotterstraßen liegen verstreut einzelne Häuser, eigentlich so, wir wir es aus Schweden kennen. Wir kommen oft an Wälder, Wiesen. kleinen Seen und Sümpfen vorbei und hoffen öfter mal auf einen Elch. Das klappt leider nicht.

Drummond, Wisconsin - ein Reh mitten in der grünen Wildnis
Drummond, Wisconsin – mitten in der grünen Wildnis

Aber zumindest ein Reh lässt sich auf der großen Wiese gegenüber unserem Haus blicken. Auch wenn wir später ein paar Tage abgeschnitten sind, können wir den Rest unserer Zeit nutzen für Ausflüge. Die Fahrten werden etwa 50 Meilen länger, weil der Highway an mehreren Stellen unpassierbar bleibt. Aber nun, so ist es halt. Amerikaner leben schon immer mit Naturkatastrophen, also können wir das auch.

Der größte See in Wisconsin ist natürlich im Norden der herrliche Lake Superior. Hier an den Ufern ist die Industrie lange nicht so prägend wie beispielsweise am Lake Erie und Lake Michigan. Es bleibt viel Natur und sauberes Wasser.

Offensichtlich gefällt es auch den Obstbauern hier. Es gibt viele Plantagen, besonders in der Bayfield Area.

Ausflug ins Obstland

Im Northern Great Lakes Visitor Center in der Nähe von Ashland, dessen Besuch sich auf jeden Fall lohnt, holen wir uns einen Flyer mit der Liste der Plantagen und entwickeln unseren eigenen Trail. Es ist Zeit zum Selbst pflücken und viele bieten es an.

Bayfield - biologisch anbauende Blue Vista Farm
Bayfield – Blue Vista Farm

Zum Beispiel die Blue Vista Farm, die sich dem biologischen Anbau verschrieben hat. Die Heidelbeeren sind noch nicht soweit, aber dort pflücken wir halt Himbeeren. Auf einer anderen Farm finden wir herrlich knackige, süsse Kirschen.

Bayfield - zum Kirschen pflücken auf der Obstplantage
Bayfield – zum Kirschen pflücken auf der Obstplantage

Und auf einer weiteren werden wir sogar noch bei Erdbeeren fündig, obwohl die Zeit dafür schon fast vorbei ist.

Tja, was braucht es hier den Supermarkt. Jedenfalls nicht, wenn es um Obst geht. Frisch vom Feld ist doch viel schöner.

Ashland – ein Provinznest macht sich hübsch

Eine kleine, fast vergessene Hafenstadt an der Chequamegon Bay des Lake Superior. Aber bunt! Und immerhin ist die Main Street im National Register of Historic Places gelistet. Vor einigen Jahren kommt die Idee auf, Hauswände in der Stadt mit Wandbildern zu schmücken, die die Geschichte der Stadt widerspiegeln. Immerhin war Ashland ein wichtiger Umschlagplatz für den Transport von Eisenerz über den Großen See. Heute gibt es 15 von Künstlern gestaltete Wandbilder an Gebäuden entlang der Main Street, den sogenannten “Mural Walk”.

Ashland Mural - "The Storefront" at4th Avenue West & Main Street
Ashland Mural – “The Storefront”

Und auch das Kino der Stadt (2016, es läuft “BFG – Big Friendly Giant”) ist den Besuch wert. So ein Kino inmitten der Stadt hat wesentlich mehr Charm als der große Betonklotz draußen auf der grünen Wiese. Es macht Spaß, sich nicht als Tourist, sondern fast als Einheimischer zu fühlen.

Ashland - Bay Cinema im Herzen der STadt
Ashland – Bay Cinema

Madeline Island

Auf Grund der schwierigen Situation nach dem Gewittersturm fehlt uns leider die Zeit für eine längere Schiffstour durch die Apostle Islands. Wir entscheiden uns, zumindest mit der Fähre zur größten der Inseln überzusetzen, nach Madeline Island. Es ist die einzige Insel, auf der Privateigentum und gewerblicher Betrieb erlaubt ist.

Bayfield - ein Blick von der Fähre auf die Main Street
Bayfield – ein Blick von der Fähre nach Madeline Island auf die Main Street

Wir fahren zunächst zum Big Bay State Park. Dort gibt es einen schönen Plankenweg, der zu einem Naturschutzgebiet (einer Lagune) führt. Und direkt davor liegt der Barrier Beach, zur Freude der Kinder.

Lagoon Boardwalk - eine Begegnung mit einem Eichhörnchen
Lagoon Boardwalk – eine Begegnung

Auf dem Rückweg gönnen wir uns noch ein Eis in La Ppointe, bevor uns die Fähre zurück nach Bayfield bringt.
Und dann ist es auch schon wieder Zeit, die Sachen zu packen. Zwei Tage sind uns leider durch das Unwetter verloren gegangen, aber den Rest der Zeit haben wir gut genutzt und eine schöne, etwas abgelegene und deshalb auch ruhigere Gegend der U.S.A kennengelernt.

Es ist nicht sehr wahrscheinlich, dass wir hierher nochmal zurückkommen. Aber in angenehmer und spannender Erinnerung wird dieser Aufenthalt bleiben.

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